„Go live": Der Harmonika-Verein rockt richtig ab

Ein durchschlagender Erfolg war die „Akkordeon-Party" des Harmonika-Vereins Großbottwar-Oberstenfeld im Bürgerhaus.

 

OBERSTENFELD

VON GEORG LINSENMANN

 

Mit blanker Routine ist keine Zukunft zu gewinnen. Nicht beim eigenen musikalischen Nachwuchs, und schon gar nicht, wenn auch jüngeres Publikum gelockt werden soll. Kein einfaches Unterfangen, schon gar nicht bei einem Instrument wie dem Akkordeon, dem trotz seiner stilistischen Vielfältigkeit noch immer das Image von gemütlicher Häuslichkeit anhängt. 

Eine eher volksliedhafte Tradition leichter Unterhaltung, für die der Harmonika-Verein Großbottwar-Oberstenfeld über Jahrzehnte eine feste Bank war. Inzwischen aber wagt der Verein den Spagat, die traditionelle Harmonika-Musik nicht völlig über Bord zu werfen und zugleich Land zu gewinnen mit ganz neuen Tönen aus der Popmusik - samt zeitgemäßer, partytauglicher Performance.

Ein Spagat, der den Akkordeonisten aus dem Bottwartal offensichtlich zunehmend gelingt. Das zweigeteilte, bestens besuchte Konzert im Bürgerhaus jedenfalls war ein durchschlagender Erfolg, quer durch die Generationen. Schon visuell und werblich ist die Sache ganz in der Gegenwart angekommen: „Go live! Das Akkordeon-Party-Konzert. Hitstar-Edition".

 

Die Jüngsten verzaubern 

Los ging es aber wie gewohnt, mit dem ersten öffentlichen Auftritt der Jüngsten. Und diese 16 „Racker" ab sieben Jahren, erst ein paar Wochen unter Leitung von Karin Groß zusammen, gewannen mit ihren sicheren Bewegungen im Fünfton-Raum und sogar leicht rockigen Sequenzen auf Anhieb das Publikum. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, auch beim Musizieren! Wenn der dann in Verbindung mit viel Fleiß selbsttragend wird, führt das in wenigen Jahren hinein ins Jugendorchester. Und zu so fabelhaften Ergebnissen wie bei einem walzerartigen Stück, mit dem das junge Orchester unter Vanja Cirkovic Maksimovic mit couragiertem Musizieren dem Mann im Mond einen echt traumhaften Besuch abzustatten wusste.

 

Ein mitreißendes Medley

Dass es diesem Harmonika-Verein zudem gelingt, den begabten Nachwuchs dauerhaft zu halten, das wurde dann mit dem 1. Orchester zum Ereignis. „Mitte 20 aufwärts" sind hier die Instrumentalisten, und sie starteten nach einem wuchtigen Trommelwirbel mit einem expansiven sinfonischen Rausch in ein Udo Jürgens-Medley, der wahrlich umwerfend war. Ein durchkomponiertes Ganzes, das ein paar Super-Hits wie eine volle Überraschungstüte bot. Reif, farbenreich, dynamisch vielgestaltig. Einfach mitreißend, auch dank des fabelhaft energischen Dirigates von Patrick Stein. Aber bitte mit Sahne! Und die Halle im Jubel-Orkan.

Davor hatte das Freizeitorchester mit einem Medley aus Comedian Harmonist-Evergreens eine volle Portion Nostalgie serviert, frisch und beschwingt und in dem typischen, farbenreich-chromatischen Sound eines Akkordeon-Ensembles, der mit seinem Reichtum an Obertönen Ohren kitzeln und Seelen wärmen kann.

Dann hieß es für die Hälfte der Halle in der Pause: Stühle raus, Stehtische rein. Das ergab eine perfekte atmosphärische Umrüstung. Mit transparenten Luftballons, mit Herzchen und niedlichen bunten Lichtlein verziert, die Handgelenke mit Armreifen aus Knickleuchten verziert. Und bald schon ein Gewimmel und Geschnatter wie auf einem Straßenfest. Eine zauberhafte Lasershow bespielte den ganzen Saal in Rot- und Blautönen, und auch mal in allen Farben des Regenbogens. Dann endlich konnte Patrick Stein, der in seinem silberglänzenden Glamour-Outfit die ganze Zeit schon als quirliger Conférencier geglänzt hatte, die Hitstar-Edition der Akkordeon-Party-Nacht einläuten.

 

Funke springt direkt über

Auch programmatisch perfekt der Einstieg mit „Let me entertain you" von Robbie Williams, von den beiden Vokalistinnen Yvonne Luithlen und Jule Liebig kraftvoll und leidenschaftlich rübergebracht. Der Funke sprang direkt über, schon hier war das stehende Partyvolk voll am Mitsingen, Kinder ganz vorne am Tanzen, die vollen Reihen am Mitschwingen.

Das symbolkräftige Bild des Abends: eine ältere, unbegleitete Dame, die es in Reihe fünf nicht mehr auf dem Sitz hielt, als „Highway to Hell" intoniert wurde. Und schon war sie in der Party-Gasse mit am Abrocken! Geschenkt jetzt, dass der Akkordeon-Klang etwas unterging in der mächtigen Perkussion. Das hier war ein gefeierter Spaß, quer durch die Generationen. So geht jetzt Zukunft!

 

Ludwigsburger Kreiszeitung am 15.12.2025

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Veröffentlichung

Mo, 15. Dezember 2025

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