Harmonikaverein Großbottwar: In 75 Jahren zu fünf Orchestern mit über 100 Spielern gewachsen - Jubiläumsfest
"Der Edelweißwalzer war damals unser Hit"
Von Werner Fuchs - Der Harmonikaverein Großbottwar (HVG) wird 75 Jahre alt. Beim Festakt am kommenden Wochenende wird das Jubiläum gefeiert.
Angefangen hatte alles in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg. Musisch begabte junge Männer lernten Handharmonika, weil Klaviere oft fehlten. Eine Ziehharmonika war in dieser wirtschaftlich schlechten Zeit gerade noch erschwinglich. Hermann Schittenhelm, spätere Harmonika-Legende, gründete in Trossingen ein Orchester mit Harmonikaspielern. Im Radio waren sie in Wirtshäusern zu hören.
1931 waren Idealisten auch in Großbottwar dann so weit: Hermann Bauer, Sohn eines Hausmetzgers, hatte sich das Ziehharmonika-Spiel selbst angeeignet. Er lehrte es auch Freunden. Bald scharte er ein , knappes Dutzend Spieler um sich, und so wurde daraus der Großbottwarer Harmonikaclub.
Heinrich Böhrer wurde Vereinsvorsitzender, und Hermann Bauer neben Max Müller erster Musiklehrer und Dirigent. Im einstigen Gemeindehaus in der Friedhofstraße stellte die Stadt einen Übungsraum zum Üben bereit, wie Eugen Blessing {84) zu berichten weiß. 1932 war die erste Generalversammlung. Und als 1938 die vom Reichsarbeitsdienst belegte Stadthalle Wieder frei wurde, gab es dort ein Konzert. "Der Edelweißwalzer war damals unser Hit", erzählt Eugen Blessing.
Mit dem Zweiten Krieg endete das gemeinsame Musizieren, einzelne Spieler traten als Solisten bei Familienfeiern auf oder begleiteten im Jungvolk die Kinder beim Lernen von Liedern. Im Mai 1946 fanden sich die heimgekehrten Harmonikaspieler zur Wiedergründung des Vereins zusammen. Der nach Groß- bottwar evakuierte Stuttgarter Eugen Weischedel, selbst ein excellenter Akkordeonspieler, wurde Musiklehrer und musikalischer Leiter.
In der Stadthalle veranstaltete der HVG ab dieser Zeit alljährlich Feiern und Konzerte, erhielt Zulauf von Jungen und Mädchen, die das Musizieren auf der Harmonika Iernten. Bald hatte der HVG auch ein Jugendorchester. Aus dem "Ziehamlederlesclub", mit seinen "Quetschkommoden" wurde zunehmend eine ansehnliche und erfolgreiche Harmonikagemeinschaft.
Von 1956 an leitete Günther Schober 35 Jahre lang das Erste Orchester, seit 16 Jahren jetzt schon Günther Stoll. Der HVG ist im Bottwartal und Umgebung mit seinen fünf Orchestern zu einer Hochburg der Harmonikamusik geworden. Das Erste Orchester wurde wieder- holt Bezirksmeister im Harmonikaverband Stuttgart-Ludwigsburg. Rundfunkaufnahmen, Konzertreisen nach Österreich und Frankreich und zu befreundeten Vereinen, Ausflüge, Veranstaltungen von Stadt und Kirchen zeugen von den Aktivitäten des Vereins.
Besonders widmen sich die Vereinsfunktionäre der Jugendarbeit. Es gibt nicht nur drei Orchester mit Jugendlichen durch Kooperationen mit den Grundschulen, in Oberstenfeld und Großbottwar werden Kinder ausgebildet, die Freude an der Musik haben. So stehen gegenwärtig 45 Schüler und Jugendliche in Ausbildung. 23 Jahre lang hat Herbert Bruker überaus erfolgreich den HVG geführt, seit vier Jahren tut dies Siegfried Groß mit seiner musikalischen Familie.
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