Die Vereinsgeschichte beginnt im Wohnzimmer

Mit einem stilvollen Frühlingskonzert haben die Akkordeonspieler des Harmonikavereins Großbottwar ihr 75-Jahr-Jubiläum gefeiert

 

Großbottwar/Oberstenfeld. Mit einem anspruchsvollen Konzert hat der Harmonikaverein Großbottwar (HVG) seinen 75. Geburtstag gefeiert. Knapp 250 Freunde der konzertanten Akkordeonmusik haben die musikalische Präsentation im Oberstenfelder Bürgerhaus genossen.

 

Von Andrea Opitz

 

Acht enthusiastische Handharmonikaspieler haben den HVG, der jetzt vom ersten Vorsitzenden Siegfried Groß geleitet wird, ins Leben gerufen. Was im Jahr 1931 im Wohnzimmer eines begeisterten Akkordeonspielers als beschaulicher Ziehharmonika-Club begann, entwickelte sich zu einem der aktivsten und größten Akkordeonvereine im gesamten Großraum Stuttgart.

 

"Der Musiklehrer wurde oft vom letzten Geld bezahlt", sagte die Schriftführerin Simone Schwarz. Zusammen mit dem Beisitzer Wolfgang Matt hat sie beim Jubiläumskonzert am Samstagabend die Vereinsgeschichte präsentiert. Zu den Höhepunkten zählen die Bezirksmeistertitel in den Jahren 1976, 1980 und 1986. Auch das 50-Jahr-Vereinsjubiläum ist in die Annalen eingegangen, denn so bekannte Stars wie die Oberkrainer sowie Ruth Mönch und Willi Seiler zählten zu den Gratulanten.

 

Auf den diatonischen Handharmonikas, den Vorgängern der modernen Akkordeons, sind früher vorwiegend zünftige Ländler und Polkas gespielt worden. Als der Komponist Hugo Hermann die ersten Lieder eigens für das Akkordeon geschrieben hatte, erweiterte sich das Repertoire, berichtete Günther Stoll, der musikalische Leiter des HVG und Dirigent des ersten Orchesters.

 

Nicht nur musikalisch war das Jubiläumskonzert, bei dem sich mehr als 100 Instrumentalisten präsentierten, eine Veranstaltung der Superlative. Adolf Götz, der als meistgespielter Akkordeonkomponist der Gegenwart gilt, reiste als Gratulant aus Franken ins Bottwartal. Seit Jahren pflegt er ein freundschaftliches Verhältnis zu den Hobby-Örglern aus Großbottwar.

 

Die Ausbildung des Nachwuchses steht beim HVG, der zurzeit 267 Mitglieder zählt, an oberster Stelle. Die Kooperation mit den Grundschulen Großbottwar und Oberstenfeld sei etwas ganz Besonderes, sagte der zweite Vereinsvorsitzende, Bernd Schäfer. Zurzeit proben 22 Schüler in der Grundschule Oberstenfeld und 19 Kinder in der Großbottwarer Schule in der Akkordeon-AG.

 

Die musikalischen Zweitklässler, die der HVG liebevoll Racker getauft hat, haben sich beim Frühlingskonzert am Samstagabend zum ersten Mal zusammen mit dem Schülerorchester präsentiert. Die HVG-Jugend führten in die konzertanten Darbietungen mit Kompositionen von Hugo Herrmann und Rudolf Würthner ein. Das Schülerorchester unter der Leitung von Karin Groß präsentierte die Feierabend-Ouvertüre von Alfons Holzschuh. Der Leiter des Jugendorchesters, Oleg Grötzinger, verabschiedete sich beim Festkonzert und übergab den Dirigentenstab an seinen Nachfolger Eugen Sokolow.

 

Auch das erste Orchester bewies die Vielseitigkeit des Akkordeons und zeigte, dass das "Schifferklavier" nicht nur in der Welt der schmissigen Volksmusik zu Hause ist. Beim "Divertimento" von Fritz Dobler, der Ouvertüre des "Zigeunerbarons" von Johann Strauß sowie den Werken "Kontraste" von Hans Boll und "Slavonska Rhapsodija" des Komponisten Adolf Götz sind die Zuhörer auf ihre Kosten gekommen.

 

Weil 40 Prozent der Vereinsmitglieder in Oberstenfeld leben, hat der HVG das Frühlingskonzert im dortigen Bürgersaal organisiert. Das Weihnachtskonzert findet in diesem Jahr in Großbottwar statt, kündigte der zweite Vereinsvorsitzende Bernd Schäfer an.

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Veröffentlichung

Mo, 08. Mai 2006

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