Abwechslungsreiches Konzert beim Harmonikaverein Großbottwar
Gefühlvolle Musik füllt Kirche aus
Anspruchsvolle Werke aus der Akkordeon- und klassischen Kirchenliteratur aufgeführt
Großbottwar. Der Harmonikaverein Großbottwar (HVG) präsentierte vergangenen Samstag in der Martinskirche Großbottwar gemeinsam mit der Violinistin Konstanze Gatz anspruchsvolle Werke aus der Akkordeon- und klassischen Kirchenliteratur.
Drei HVG-Orchester und die Youngsters des Vereins hatten zu einem abwechslungsreichen und vielseitigen Konzert eingeladen. Die Orchester hatten sich gewissenhaft auf das Konzert vorbereitet und so durften sich die zahlreichen Gäste an dem durchgehend hohen spielerischen Niveau aller Orchester erfreuen.
Günther Stoll, der musikalische Leiter des HVGs und Dirigent des 1.Orchesters, führte durch den Abend und trug mit Wissenswertem über Komponisten und Musikstücke zur Bereicherung des Abends bei.
Das Erste Orchester eröffnete das Konzert mit dem Stück "Präludium und Fuge in a-moll" von Matyas Seiber. Ein Stück, das zwar für Akkordeonorchester komponiert wurde, jedoch an die kirchenmusikalische Tradition des 17. Jahrhunderts angelehnt ist. Danach folgten "Die Bagatellen", ein modernes, zeitgenössisches Stück des 1927 geborenen Komponisten Fritz Dobler. Die vier Sätze, Allegro, Valse sentimentale, Cantus firmus und Tarantella, enthalten viele akkordeontypische Sequenzen mit überraschenden Weiterführungen, gegenläufigen Rhythmen und Melodieverläufen. Eine echte spielerische Herausforderung für das Orchester, das dieses anspruchsvolle Werk jedoch hervorragend interpretierte und das die für eine Kirche vielleicht ungewohnten Klänge gekonnt musizierte.
Ein Höhepunkt des Abends war das "Konzert in d-Moll" von Alessandro Marcello. Das im venezianischen Stil und ursprünglich für Oboe geschriebene Konzert wurde an diesem Abend vom Ersten Orchester und der Violinistin Konstanze Gatz aufgeführt. Sie begeisterte das Publikum mit den Klängen ihrer Violine und ihrer gefühlvollen Interpretation der drei unterschiedlichen Sätze des Konzerts.
Unter lang anhaltendem stürmischen Beifall endete der erste Konzertteil und in fliegendem Wechsel nahmen die Spieler des Schülerorchesters unter der Leitung ihrer Dirigentin Karin Groß die Plätze ein. Drei romantische Traditionals von Gottfried Hummel hatten die Schüler erarbeitet. Bei den drei bekannten Melodien "Londonderry Air", "Aura Lee" und eine "Spanische Romanze" wurde das Orchester mit Schlagzeug begleitet und überraschte mit seiner modernen, schwungvollen Darbietung das Publikum.
Das Jugendorchester entführte unter der Leitung seines Dirigenten Oleg Grötzinger das Publikum in die Welt des Johann Sebastian Bach. Mit einer Meditation von Charles Gounod über den 1859 komponierten Klassiker "Ave Maria" und "Praeludium und Fuge in g-moll" von Johann Sebastian Bach bekam das Publikum zwei Klassiker der Kirchenmusik zu Gehör.
Die HVG-Youngsters, eine Gruppe aus fünf jungen Spielern auf der Schwelle zum ersten Orchester, zeigten dem Publikum, dass auch ein kleiner Kreis eine Kirche mit gefühlvoller Musik ausfüllen kann. Mit der "Sarabande" von Friedrich Haag und dem "Prélude" aus der Englischen Suite Nr. III von Johann Sebastian Bach hatten sich die Youngsters musikalisch und technisch anspruchsvolle Literatur ausgewählt, ohne sich jedoch auf ausgetretenen Pfaden zu bewegen.
Wie abwechslungsreich man ein Konzert in der Kirche gestalten kann zeigte das Erste Orchester in seinem zweiten Teil.
Nach dem zweiten Weltkrieg zog es den Komponisten Hermann Ambrosius nach Engen im Hegau. Geprägt von dieser Landschaft entstanden seine "Hegaubilder". Eine sehr melodiöse, teilweise volkstümlich angehauchte Akkordeonkomposition in vier Sätzen. Einer stimmungsvollen Pastorale, einem temperamentvollen Bourrée, einer verträumten Sarabande und einem kraftvollen Finale.
Als Kontrast zu den bis dahin aufgeführten Werken trat erneut die Violinisin Konstanze Gatz zum Ersten Orchester und gemeinsam musizierten sie das Stück "Oblivion" des Argentiniers Astor Piazzolla. Der Titel aus der Filmmusik "Heinrich IV" führte das Publikum in die melancholische Welt einer verflossenen Liebe.
Das Erste Orchester beendete das Konzert mit dem "Einzug der Königin von Saba" aus "Salomon" von Georg Friedrich Händel. Das Orchester freute sich besonders dieses Stück, in einer Bearbeitung des befreundeten neuseeländischen Komponisten Gary Daverne, aufführen zu dürfen. Diese Spielfreude war dem Orchester auch anzumerken und so wurde ein begeistertes Publikum verabschiedet.
Der Abend fand seinen kulinarischen und geselligen Ausklang im evangelischen Gemeindehaus.
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