„Drauflosgespielt und improvisiert“
Jungmusiker Robin Pantle komponiert mit 16 Jahren eigenes Akkordeonstück - Publikum beim ersten Vorspiel begeistert
Großbottwar - von Luitgard Gröger
Mit geschlossenen Augen, ganz auf die Klänge seines Akkordeons konzentriert, spielt Robin Pantle seinen "Song für Anna". Das Lied hat der 16-Jährige selbst komponiert und Anna, seiner besten Freundin, gewidmet. Mit dieser Eigenkomposition, die dem Zuhörer unter die Haut geht, hat Robin Pantle schon beim jüngsten Jugendvorspiel des Handharmonikavereins Großbottwar-Oberstenfeld (HVG) sein Publikum in Erstaunen versetzt.
Doch das, was sich im ersten Moment nach Wunderkind anhört, habe sich Robin, der mit sechs Jahren mit dem Akkordeon spielen begonnen hat, hart erarbeitet, merkt Evgenij Sokolkov an. Seit 2006 unterrichtet der Akkordeonlehrer die Nachwuchsmusiker des HVG. Doch Robin Pantle sei bisher der einzige seiner Schüler, der sich selbst unter die Komponisten gewagt habe. Natürlich habe er dem 16-Jährigen, als er ihm das Lied erstmals vorgespielt habe, Tipps gegeben. "Aber nur dazu, wie man es richtig aufschreibt. Komponiert hat er es alleine", betont der Musiklehrer. "Ich habe mal ein bisschen auf dem Akkordeon rumgeklimpert mit ein paar Akkorden, die sich gut anhören", meint der 16-Jährige bescheiden. Daraus sei eine erste Melodie entstanden und dann habe er einfach "darauflosgespielt und improvisiert". "Das habe ich dann mit dem Handy aufgenommen und mich anschließend an den Schreibtisch gesetzt, um es aufzuschreiben", erzählt er weiter.
Bisher sei der "Song für Anna" seine einzige Eigenkomposition, der Schulalltag lasse nicht viel Zeit für weitere Werke, sagt Robin, der die 11. Klasse der Ludwigsburger Carl-Schaefer-Schule besucht. Außerdem sei das Akkordeon, auch wenn er täglich 30 bis 45 Minuten übe, nicht sein einziges Hobby. "Ich spiele auch Handball und gehe gern Ski fahren."
Und was will er später beruflich machen, etwas mit Musik? "Nein, es wird wohl eher in den technischen Bereich gehen" - aber wohin genau, wisse er noch nicht. Dennoch hat er ein musikalisches Ziel klar vor Augen: irgendwann will er im 1. Orchester des HVG mitspielen. Dass der 16-Jährige das erreichen wird, daran hat sein Lehrer keine Zweifel. Zumal Robin nicht nur im Jugendorchester ist, sondern auch die "Youngsters" des HVG leitet. Zwar habe der Dirigent des 1. Orchesters Günther Stoll die musikalische Leitung inne, erläutert Sokolkov. Aber die regelmäßigen Probentermine organisiere Robin Pantle, der für seine fünf Mitspieler - vier Mädchen und ein Junge - auch den Takt beim Üben angebe. Die Youngsters, die weitestgehend selbstständig Lieder einstudieren, seien gewissermaßen die Vorstufe zum 1. Orchester.
Aber was fasziniert einen 16-Jährigen am Akkordeon, einem Instrument, das gern in die Volksmusikecke gestellt wird? Die Vielfalt, die das Akkordeon biete, meint Robin. "Damit kann man so vieles spielen, auch Modernes." Außerdem lasse sich über den Balg in der Mitte des Akkordeons relativ einfach die Dynamik eines Stückes variieren. Dass die meisten bei Akkordeon sofort an Volksmusik denken und sich dieses Vorurteil hartnäckig hält, stört den Jungmusiker.
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