Ein Feuerwerk der Emotionen
Handharmonikaverein gestaltet Abend mit anspruchsvoller Musik
Oberstenfeld - von Silvia Haiduk
Die Luft vibrierte fast im Oberstenfelder Bürgerhaus. Kein Wunder: Der Handharmonika-Verein (HVG) Großbottwar-Oberstenfeld absolvierte am Samstag im Bürgerhaus quasi zwei Prüfungen vor großem Publikum: Das Jugendorchester nutzte das Konzert als Generalprobe kurz vor seinem Auftritt beim „World Music Festival“ in Innsbruck, und das Erste Orchester feierte bei seiner Aufführung der „Metropolitan Suite“ ein Feuerwerk der Emotionen.
Immerhin saß der Komponist des meistgespielten Stücks in der Akkordeonszene, Adolf Götz, mit seiner Frau in der ersten Reihe. Dass er Vereine mit seinem Besuch beehrt, kommt nicht alle Tage vor und erfüllte die Musiker mit Stolz.
Das Konzert, „ein Abend mit anspruchsvoller Musik“, findet einmal jährlich statt, während der HVG zur Weihnachtszeit Unterhaltungsmusik auf sein Programm schreibt. Die Eröffnung des gut anderthalbstündigen Konzerts übernahmen die „Youngsters“, sechs Jugendliche, die authentische Volkstänze sowie konzertante Musik mit wirkungsvoll herausgespielten Jazz-Elementen zum Besten gaben. Aber auch die Jüngsten, die sich in der „Tastenbande“ tummeln, versuchen sich bereits am harmonischen Zusammenspiel. 17 Mädchen und Jungen hat Susanne Winkler die rechten Tastengriffe beigebracht, und es klang, wie Moderator Günther Stoll zu Recht ankündigte, ganz ordentlich.
Das Schülerorchester lud die Zuhörer zu einem stimmungsvollen Kirmesbummel ein. Unter der Leitung von Karin Groß erlebten die Besucher eine musikalische Achterbahnfahrt. Ein dramatisches Intro mit Füßestampfen und beherztem Streifen über die Tasten schubste die Zuhörer gleich mit in die Geisterbahn, wo Dissonanzen schrecken, aber eben auch Spaß machen.
Das Jugendorchester spielte unter der Leitung von Eugen Sokolkov die „Micro-Suite Nr. 2“ von Wolfgang Ruß-Plötz. Vor zwei Wochen belegten die Jugendlichen damit beim „Waldbronner Musikpreis“ den zweiten Platz in ihrer Kategorie „Jugendorchester Mittelstufe“. Dafür überreichte HVG-Vorsitzender Wolfgang Matt nachträglich einen Pokal. Die Mädchen und Jungen spielten die Charakteristika der drei Suite-Sätze – das mittelalterliche Ständchen, den Blues und den Balkan-Tanz – gekonnt heraus.
Das zweite Highlight folgte zum Schluss, als das Erste Orchester nach einer mitreißenden Rhapsodia des belgischen Komponisten Robert Finn die „Metropolitan Suite“ von Adolf Götz interpretierte. Die Anspannung war den einzelnen Spielern und dem Dirigenten Günther Stoll deutlich anzusehen, genau wie die glückliche Erleichterung nach dem letzten Akkord. Tosender Applaus belohnte Einsatz und Können der Musiker.
Adolf Götz sprang auf die Bühne und bedankte sich per Handschlag. Mit dem Spiel seiner Suite sei er sehr zufrieden gewesen, sagte er nach dem Konzert im Gespräch mit der LKZ. „Das Stück ist ja schwieriger, als man hört, und ich finde es toll, wie die Musiker die Schwierigkeiten lösen.“ Vor allem der dritte Satz sei rhythmisch sehr anspruchsvoll. Am Ende forderte das Publikum eine Zugabe, die das Erste Orchester, nun umrahmt von allen Beteiligten, gerne spendierte.
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