Mozart in Rock: Auf dem Akkordeon geht fast alles

Harmonika-Verein Großbottwar-Oberstenfeld präsentiert seine Orchester – Gute Nachwuchsarbeit

 

Oberstenfeld - von Thomas Faulhaber

 

Wer dem Harmonika-Verein Großbottwar-Oberstenfeld lauscht, der macht sich keine Gedanken mehr um die Zukunft des Akkordeons. Fast zwei Stunden lang wurde konzertante Musik in allen Altersklassen zelebriert. Und das auf sehr hohem Niveau.

 

Interessant die Programmauswahl des Abends: Dort standen ausschließlich zeitgenössische Komponisten des 20. Jahrhunderts. Bis auf den Giacomo Rossinis Ouvertüre zur „Diebischen Elster“ mit dem das erste Orchester das wundervolle Frühlingskonzert beschloss. Das bekannte Werk mit dem markanten Marsch wurde wie alle anderen Stücke auch mit Präzision und Energie dargeboten. Teile davon verwendete Regisseur Stanley Kubrik in seinem Meisterwerk „Clockwerk Orange“. Auch „Galaxy“ aus der Feder von Hans-Günther Kölz, uraufgeführt 2001, würde gut für einen Kinofilm passen. Mit sphärischen Klängen entführte das Orchester unter der Leitung von Günther Stoll seine Zuhörer in die Weiten des Weltraums.

 

Zurück auf der Erde landeten die Musiker in Japan und erlebten dort Abenteuer mit „Tokyo Adventure“ aus europäischer Sicht. Geschrieben hat das rhythmisch sehr komplexe und spannungsgeladene Stück Luigi di Ghisallo 2001 eigentlich für Blasorchester. Aber auch mit den Akkordeons wurde die fernöstliche Faszination perfekt eingefangen. Durch die Wolken, die im Anschluss aufzogen, ließen sich die Spieler die Sicht in keinster Weise vernebeln. Im Gegenteil: Bei „Clouds“ von Wolfgang Ruß-Plötz aus dem Jahr 2014 liefen sie zur Höchstform auf. Es war der schwerste und anspruchsvollste Teil des Abends.

 

Den Anfang des Konzerts bestritten die Youngsters. Das ist ein Ensemble, das ohne Dirigent auftritt und bereits auf dem Sprung ins erste Orchester steht. Gespielt wurde die Ouvertüre in C-Dur von Rudolf Würthner. Einem Stück, das davon lebt, die unterschiedlichen Stimmungen einzufangen. Von den ganz leisen Tönen bis hin zu den kraftvollen Passagen, was den Spielern ganz wunderbar gelungen ist. Mit der „Melodia en La menor“ vom Bandoneon-Papst Astor Piazzolla zeigten sie, wie viel Temperament in ihnen steckt.

 

Die Tastenbande unter Susanne Winkler sind die Jüngsten im Verein. Lebhaft meisterten sie die „Suite elementaire“ von Alexander Jekic. Belohnt wurden sie vom Applaus in der ausverkauften Oberstenfelder Bürgerhalle und vom Lob des musikalischen Leiters vom HVG:

 

Einer „Kleinen Rhapsodie“ von Helmut Deweil stellte sich das Schülerorchester. Mit folkloristisch-tänzerischen Zügen galt es insbesondere, Emotionen zu transportieren. Und sie demonstrierten, dass man mit Beethovens „Für Elise“ auch den Saal rocken kann.

 

Ein musikalisches Märchenbuch hat das Jugendorchester dann mit ihrem Dirigenten Eugen Sokolkov aufgeschlagen. „Marionetten“, 1977 von Adolf Gölz geschrieben, weckte Szenen in den Köpfen: Das Fest auf der Burg, der böse Zauberer, die gute Fee, die listigen Zwerge, der traurige Prinz, die schöne Prinzessin und der tapfere Prinz wurden so bildhaft dargeboten, als ob sie leibhaftig auf der Bühne stünden.

 

Es war ein rundum zauberhafter Abend, der dankenswerterweise nicht durch eine Pause gestört wurde. Der Vorsitzende vom HVG, Wolfgang Matt, war mit dem Ergebnis zufrieden. So wie er es auch mit der Entwicklung des Akkordeonvereins ist. „Wir sind mit 90 Aktiven von den Kindern bis zum Freizeitorchester gut aufgestellt.“

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Veröffentlichung

Mo, 04. Mai 2015

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