In 90 Minuten Großartiges geleistet
Oberstenfeld Der Harmonika-Verein hat ein starkes Konzert abgeliefert – und mit einer Premiere aufgewartet.
Von Helmut Schwarz
Zu einem Abend anspruchsvoller Musik hatte der Harmonika-Verein eingeladen und dabei nicht zu viel versprochen. Im voll besetzten Bürgerhaus konnten die Besucher am Samstag bestätigt finden, dass und wie sich die Harmonikamusik in den Konzertsälen mehr und mehr einen festen Platz erobert, wenn sie gut gespielt und der spezielle Sound dieses Instruments richtig eingesetzt wird.
Der HVG Großbottwar-Oberstenfeld lieferte dafür eindrucksvoll einen Beweis mit der Tastenbande, dem Schüler- und Jugendorchester und vor allem mit dem Ersten Orchester, das mit einem Arrangement seines Dirigenten Günther Stoll von Luigi di Ghisallos „Open Air“-Rockkonzert mit einer Premiere aufwartete. Mit tosendem Beifall dankte das begeisterte Publikum – Stoll und seine Spieler revanchierten sich mit einer Wiederholung als Zugabe.
Stoll war es auch, der die Besucher als sachkundiger Führer durchs Programm leitete, das vom Jugendorchester unter Eugen Sokolkov mit dem Adagio aus der Violinsonate Nr. 3 von Georg Friedrich Händel und mit Melodien von Wolfgang Amadeus Mozart unter dem Titel „Amadeus goes Pop“ eröffnet wurde. Jugendgerecht arrangiert ließ sich das Medley hervorragend interpretieren. Die Tastenbande, gebändigt von Susanne Winkler, überraschte mit einer „kleinen Konzert-Suite“ mit den Sätzen Intrada, Menuett und Finale von Heinz Waldvogel. Auch die Kleinsten folgten aufmerksam der Führung der Dirigentin.
Auch das Schülerorchester unter der Regie von Karin Groß hatte Mozart auf dem Programm: Einmal „Play Mozart“ von Vater Leopold, berühmter Geiger seiner Zeit, mit „Schwabentanz“ und dann Wolfgang Amadeus mit einem Menuett und einem Allegretto, von Wolfgang Kahl arrangiert.
Höchst diszipliniert präsentierte sich das Erste Orchester unter Leitung von Günther Stoll, das mit dem von Luigi di Ghisallo 1999 ursprünglich für großes Blasorchester komponierten „Open Air“-Rock-Konzert einen fulminanten Auftakt lieferte, mit einem eindrucksvollen Pauken-Part, den Sebastian Brauchle grandios meisterte. Nicht minder eindrucksvoll die aparten Akkordeon-Klänge der „Sinfonietta Concertante“ von Karl-Heinz Wolters, der die melancholische Melodie des mittelalterlichen Liedes „Es ist ein Schnitter, heißt der Tod“ als Thema mit Variationen, mal aufwühlend und mal tröstend, bearbeitet hat. Mit fünf musikalischen Bildern zaubert der Komponist Wolfgang Ruß-Plötz in „Singapur-Skyline“ asiatische Bilder von Chinatown, vom Drachenboot-Rennen und Orchideengarten sowie Raffles Hotel und Marina Bay Sands. Zum Abschluss ein rhythmisches Feuerwerk aus Südamerika von Arturo Márchez, der sich mit „Conga del Fuego Nuevo“ als großartiger Musiker outet. Ein toller musikalischer Abend, der beweist, dass auch in 90 Minuten Großartiges geleistet werden kann.
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