Seit 25 Jahren Chef des Orchesters
Günther Stoll hat zusammen mit dem Harmonika-Verein die „Musik ist Trumpf“-Konzerte ins Leben gerufen
Großbottwar - von Melinda Schachinger
Ursprünglich wollte er drei, höchstens vier Jahre bleiben. Nun ist es schon 25 Jahre her, dass Günther Stoll als Dirigent das erste Orchester im Harmonika-Verein Großbottwar-Oberstenfeld (HVG) leitet. Eine große Neuerung, die Stoll gleich auf den Weg gebracht hat, war das Unterhaltungskonzert „Musik ist Trumpf“, das morgen wieder in Oberstenfeld auf dem Programm steht. Als Stoll 1991 die Leitung des ersten Orchesters übernahm, war ihm klar, dass neben einem klassischen Konzert im Jahr auch ein Konzert zur Unterhaltung her musste.
Morgen kommen die Zuhörer in den Genuss von Stücken wie der „Star Wars“-Filmmusik oder Robbie Williams’ „Let me entertain you“, vorgetragen auf dem Akkordeon. Die Jugendabteilung, für die sich Stoll ebenfalls sehr eingesetzt hat, spielt Hits von Elvis und Abba.
Gemeinsam mit dem ersten Orchester hat der Dirigent ein breites Repertoire mit Stücken von Udo Jürgens einstudiert. „Ich war schon als 17-Jähriger auf einem seiner Konzerte und habe auch sein letztes Konzert in Stuttgart miterlebt“, sagt Stoll. Also stießen die Musiker auf offene Ohren, als sie ihren Dirigenten baten, doch ein paar Lieder des berühmten Sängers einzuplanen.
Weniger anspruchsvoll sind die modernen Stücke im Vergleich mit den Klassikern nicht, meint der gebürtige Stuttgarter: „Beide Stile stellen eine große Herausforderung dar. Privat gehe ich aber als Berufsmusiker doch häufiger zu klassischen Konzerten.“
Die Musik begleitet den 64-Jährigen den ganzen Tag. Die „manchmal beschwerliche Anreise“ von seinem Wohnort im Kreis Böblingen nach Großbottwar versüßt er sich, indem er im Auto Radio oder CDs hört. Immer freitags unternimmt er die Fahrt. An den anderen Tagen ist er in Nufringen und Rutesheim als Dirigent tätig und gibt Akkordeon-Unterricht.
Ein Ende von Stolls enger Beziehung zur Musik ist nicht in Sicht. Während sich viele in seinem Bekanntenkreis zur Ruhe setzen, denkt er darüber noch gar nicht nach: „Viele suchen sich im Ruhestand einen Ausgleich. Aber ich hab ja etwas, was mir Spaß macht. Und solange ich andere Leute zum Musizieren motivieren kann, mache ich weiter.“
Diese tiefe Liebe zur Musik war bei Stoll schon früh vorhanden, wenngleich zunächst nicht absehbar war, dass er Berufsmusiker werden würde. Nachdem er als Achtjähriger mit dem Akkordeonspiel angefangen hatte, machte der Handwerkersohn zunächst eine Ausbildung zum Stuckateur. Irgendwann erzählte sein Vater dem berühmten Moderatoren-Duo Ruth Mönch und Willy Seiler vom Süddeutschen Rundfunk, dass „sein Junger“ gut Akkordeon spielen könne. Zwei Wochen später hatte Stoll sein erstes Engagement.
Diese Erfolgsgeschichte riss nicht ab. Stoll begann zu unterrichten, wurde in Vereinen angestellt, bildete sich weiter zum Dirigenten und lernte interessante und berühmte Musiker kennen. Da diese aus verschiedenen Bereichen kamen, nahm Stoll viele Anregungen von ihnen mit. Hierbei entdeckte Stoll auch das Singen für sich. „Das ist aber mehr ein Hobby“, sagt er.
Stoll ist auch ein Mann, der seinen Wirkungsstätten die Treue hält: „Ich war eigentlich in jedem Verein mindestens zehn Jahre engagiert“, sagt er. Also häufen sich zurzeit die Jubiläen für ihn. In seinem Stammverein Nufringen naht schon das Fünfzigjährige: Hier ist er seit 48 Jahren Dirigent.
Dass beim HVG nun nicht nur das Jubiläum von „Musik ist Trumpf“, sondern auch sein Jubiläum als Dirigent ansteht, ist dem Akkordeonisten erst vor kurzem so richtig bewusst geworden. Viel mehr hatte er den Geburtstag des Konzerts im Blick und freute sich, dass er mit einigen Mitgliedern des Vereins nun schon seit 25 Jahren zusammenarbeiten kann.
Bei aller Liebe zur Musik braucht aber auch ein Dirigent ab und an einen Ausgleich. Den holt sich Stoll vor allem über körperliche Aktivitäten: „Wir wohnen am Ortsrand, also ist es einfach, Spaziergänge oder Wanderungen zu unternehmen. Und im Urlaub geht es in die Berge oder ans Meer.“ Daneben liest Stoll aber auch gerne mal ein gutes Buch oder hält den Kontakt zu Freunden – was für einen, der ständig abends arbeiten muss, gar nicht immer so einfach ist.
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