Mit stürmisch gefeierten Klassikern

Harmonikaverein Großbottwar-Oberstenfeld lädt zum Frühlingskonzert zwei Ausnahme-Musiker ein

 

Oberstenfeld - von Werner Fuchs

Das Frühlingskonzert des Harmonika-Vereins Großbottwar-Oberstenfeld im Bürgerhaus Oberstenfeld war ohne Zweifel Höhepunkt dieser Konzertreihe seit ihrem Bestehen. Günther Stoll, seit über 25 Jahren Leiter des ersten HVG-Orchesters, hatte die international ausgezeichneten Kammermusiker Frank Nebl (Soloklarinettist der Badischen Staatsoper) und Andreas Nebl (Dozent für Akkordeon am Hohner-Konservatorium Trossingen) gewinnen können, welche anstelle der sonst auftretenden weiteren Orchester des HVG als Duo die zweite Hälfte des Frühlingskonzerts bestritten.

 

„Akkordeon trifft Klassik(er)“ hatte der Verein sein Programm betitelt. Das Orchester spielte Klassiker von Händel und Mozart und zu Klassikern gewordene Akkordeon-Tonschöpfungen der bekannten Akkordeonkomponisten Adolf Götz und Fritz Dobler. Günther Stoll präsentierte sich nicht nur als exzellenter Orchesterdirigent mit seinem von ihm geschulten Orchester, sondern auch als unterhaltsamer Entertainer. Das sich im einheitlichen Outfit mit Pinkfarben zeigende erste Orchester eröffnete das Konzert mit dem „Einzug der Königin von Saba“ aus „Salomon“, welches der deutsch-britische Komponist Georg Friedrich Händel komponierte und 1749 in London erstmals aufführte.

 

Das Publikum bedachte die barocke Musik mit herzlichem Beifall. Dann folgten die vier Sätze der von Adolf Götz komponierten und von Akkordeonorchestern am häufigsten gespielten „Dalmatinischen Tänze“ – in ungewöhnlicher Klangvielfalt und mit zahlreichen Tempowechseln fehlerfrei aufgespielt. Großer Beifall des Publikums dankte den Spielern des über 30 Mitglieder zählenden Harmonikaorchesters, das mit Sebastian Brauchle und Annegret Groß an Schlaginstrumenten verstärkt war.

 

Dann wechselte das Orchester wieder zum Alt-Klassiker Wolfgang Amadeus Mozart und spielte dessen Ouvertüre zur „Zauberflöte“. Auch dieses Musikstück – präzise aufgespielt – erhielt von den Zuhörern großen Beifall. Mit den drei Sätzen aus „Divertimento“, der Vertonung eines schwedischen Volkslieds, hörte das Publikum das Glanzstück von Fritz Dobler, der im Jahr 1954 „Weltmeister des Akkordeons“ in Stuttgart geworden war und bewunderte auch hier das hervorragende Können der Orchestermitglieder und ihres Dirigenten. Zum Schluss des HVG-Konzerts dann eine Neuschöpfung von Wolfgang Ruß, Dozent am Trossinger Konservatorium mit den „Seven Songs of Joy“ mit sieben rhythmischen Variationen frei nach Beethovens Melodie „Ode an die Freude“ aus dessen 9. Sinfonie. Auch dafür gab es lang anhaltenden und stürmischen Beifall der Zuhörer, die eine Zugabe forderten, die mit dem „Kolo“ der „Dalmatinischen Tänze“ auch gewährt wurde.

 

Was nach einer Pause folgte an Darbietungen des Duos „Nebel & Nebel“ hatten die Zuhörer noch nie gehört, gesehen und erlebt: ein musikalisches In- und Miteinander von Akkordeon und Klarinette auf höchstem Niveau und mit höchster Präzision und das mit Musik von Bach und Mozart. Brillantes Spiel der Finger an Klarinette und Akkordeon, beim Akkordeon auch unter Einbeziehung der Bässe. Angefangen mit drei Sätzen einer Sonate in gmoll von Carl Philipp Emanuel Bach zeigte den musikalischen Einklang der beiden auch als Kammermusiker tätigen Brüder. In atemloser Stille verfolgte das Publikum die Auftritte von Andreas (Akkordeon) und Frank Nebl (Klarinette) auch beim zweiten Stück der russisch-tatarischen Komponistin Sofia Gubaidulina mit deren „Allegro rustico“. Das „Divertimento C-Dur“ von Mozart in fünf Sätzen war ebenso ein Hochgenuss, wie die vorausgegangenen Darbietungen der beiden Ausnahmekünstler, die ihr über einstündiges Konzert mit dem „Heavy Tango“ des zeitgenössischen französischen und weltweit bekannnten Jazz-Akkordeonisten Richard Galliano und einer stürmischen erklatschten Zugabe beendeten.

 

Das Auftreten und musikalische Zusammenspiel der beiden war für alle Zuhörer zu einem einmaligen Musikerlebnis geworden.

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Veröffentlichung

Di, 09. Mai 2017

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