Klangfeuerwerk gezündet
Oberstenfeld „Musik ist Trumpf“ – kaum ein Titel beschreibt besser, was die HVG-Orchester geleistet haben. Cornelia Ohst
Das Kürzel „HVG“ steht für den Harmonika-Verein Großbottwar-Oberstenfeld. Und, laut einer Interpretation von dem Vorsitzenden Julian Weinmann, auch für „heute vorzüglich genießen“. Und das gleich im doppelten Sinne, wie der Samstagabend im Bürgerhaus zeigte. Denn wie die kulinarischen Happen in der Pause standen auch die akustischen ganz hoch im Kurs der Besucher. Diese hatten kaum einen Platz in dem großen Saal unbesetzt gelassen und konnten einem ausgereiften, ambitionierten Konzert mit zahlreichen Highlights lauschen.
Den Liebhabern von Handzuginstrumenten dürfte dabei das Herz aufgegangen sein: Gleichgültig welche Leistungs- und Niveaustufe der sechs verschiedenen Orchesterformationen die Stühle auf der Bühne belegte – Genuss lag über allen Kompositionen. Mitreißende Arrangements, ein ausgetüfteltes Klangbild, das durch ein vital gespieltes Schlagzeug sowie durch Pauke und Keyboard wunderbare Ergänzung fand, wurden konsequent dargeboten. Ein besonderer Geist nämlich ist spürbar, wenn die diversen Orchester des Vereins in die Tasten greifen und zeigen, was sie seit Monaten erarbeitet und intensiviert haben. „Gleich nach den Sommerferien sind wir durchgestartet“, verriet Julian Weinmann bei einer schwungvollen Begrüßung, die einläutete, was darauf folgen sollte: Mit Schwung und Verve interpretierte Musikwerke.
Das fing bereits mit den überzeugend auftretenden „Youngsters“ an, die mit „Bongos und Maracas“ in wärmere Gefilde entführten. Die fünf Spieler, die eigentlich Mitglieder des Jugendorchesters sind, und die ihr Instrument derart gut beherrschen, dass sie sich „auch an schwierigere Akkordeon-Literatur wagen wollen“, begeisterten mit ihrem Konzertauftakt sowie einem prachtvoll intonierten „Libertango“ von Astor Piazzolla. Noch relativ neu am Start sind die Akkordeon-Racker. Doch auch sie zeigten etwa beim „Tiroler Ländler“, wie beflissen sie gelernt haben und wie hingebungsvoll sie das Instrument bedienen. Mit der Pop-Collection und einer „Tour de Rock“ des Schülerorchesters, alle drei genannten Orchester werden übrigens von Susanne Winkler geleitet, ging dann „so richtig die Post ab“. Die Backstreet Boys etwa wurden mit „Quit playing games“ mit beeindruckender, instrumentaler Gestaltungskraft vom Jugendorchester wiederbelebt, das variationsreich unter der Leitung von Oleg Gridnev spielt. Soulig wohltemperiert bot das Freizeitorchester etwa Werke von Ray Charles dar, die für weitere klangerweiternde Impulse des ohnehin vielgestaltigen Repertoires sorgten. Das 1. Orchester übernahm schließlich den längsten und letzten Part. Unter ihm erstrahlten differenziert und variationsreich intonierte Stücke, wie etwa das spannende und fulminante „Morricone Special“ oder auch Sambarhythmen und ein gewaltiges „Best of ELO“.
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